Famila

Famila und kein Ende

Famila ist eine unendliche Geschichte.

Sie beginnt mit dem schleichenden Verfall des Schützenhauses; sie hat ihre Tragik in der Ausgestaltung des Vertrages mit der langjährigen Dienstbarkeit auf das Festhallengelände, sie ist zäh, weil es über Jahre wegen eben dieser Schützen-Trumpfkarte Dienstbarkeit nicht zu einer Einigung zwischen Gemeinde und Schützen kommt und diese Geschichte hat nur ein vorfinanziertes Happy-End, weil das Ende noch nicht erzählt werden kann.

Natürlich spielen auch wir GRÜNEN in dieser unendlichen Geschichte eine Rolle. Aber nicht nur unseren Vorschlägen und Ideen haben sich die Schützen stets verweigert. Dann war da plötzlich das Projekt eines Verbrauchermarktes im Zentrum auf dem Clementgrundstück. Dass wir diesen Standort mit der CDU  verfolgten, passte nun der SPD nicht, die ja einen großen EDEKA-Markt auf dem Schützenplatz anstrebte. Also wurde das Projekt mit Kampagnen erledigt. Nun tritt der EDEKA-Aldi-Investor auf und bietet den Schützen einen wunderbaren Schießstand als Auslöse an. Zugriff! Stopp ein neuer Mitspieler tritt auf: Famila. Bietet noch ein bisschen mehr. Wir GRÜNEN und die FDP steigen aus und verlassen die Abstimmung protestmäßig. Dilemma – es kommt zum Bürgerentscheid. Und – wer hätte das erwartet? Die Jesteburgerinnen und auch die Jesteburger stimmen mit Mehrheit für Famila. Wir GRÜNEN sind im Dilemma zwischen Bürgerwillen und der Forderung nach kleinerem Markt. Bürgerwille geht vor: also entschließen wir uns, das Projekt kritisch zu begleiten und in den Vertragsverhandlungen die Versprechungen Familas einzufordern. Der Bebauungsplan wird aufgestellt. Und hier geht es um die Fläche, das Sortiment usw. – und dabei ist es einerlei ob Aldi/EDEKA oder Famila gebaut wird!  Auch wir GRÜNEN wissen um Kritikpunkte am B-Plan und deshalb fordern wir unsere Planer immer wieder mit Fragen zur Rechtmäßigkeit des B-Planes heraus. Antwort positiv. Dann kommt Hanstedt ins Spiel.

Natürlich hätte Hanstedt nicht gegen seinen eigenen örtlichen EDEKA-Betreiber geklagt, aber gegen Famila mit dem Hebel der Anfechtung des B-Planes ist die Klage gut möglich. Unbestritten hat Hanstedt das Klagerecht. So sieht es auch der Lüneburger Richter und gibt nach einer Wanderung vom Schützenplatz zur Dorfmitte den Hanstedtern Recht. Integrationsgebot nicht erfüllt. Markt gehört in den inneren Bereich. Hatten wir schon. Wollten wir nicht.

Jetzt wird das Raumordnungsprogramm passend für den Fall Jesteburg (absichtlich oder zufällig?) geändert. Damit besteht die Chance, die Geschichte zu einem guten Ende zu führen.Ach, für die Schützen hat die Geschichte ja schon ein Happy End. Gegen unseren Zorn (Abstimmung) hat die Gemeinde die Schützen aus dem gemeinsamen Risiko des Vertragsscheitern entlassen und den Schützenstand schon mal vorfinanziert. Unbestritten: das Gebäude ist gelungen, nicht zuletzt auch, weil wir (auch maßgeblich mit GRÜNER Stimme) einen zusätzlichen Veranstaltungsraum gemeindeseits finanziert haben, der nun der Gemeinde gehört für große Veranstaltungen und große bürgerbegehrte Sitzungen. Und da unerwartet zusätzlich der Dachboden zum Beispiel dem VfL attraktive Räume bietet, wird sich das Schützenhaus zu einem „Multifunktionshaus“ entwickeln – zumindest wenn es nach uns GRÜNEN geht. Sie fragen sich schlussendlich, wann Famila denn nun kommt. Das eben ist eine unendliche Geschichte.

 

 

Für Interessierte, die viel Lesezeit mitbringen, ist hier des Gerichtsurteil aus Lüneburg:PE-Urteil-OVG